zwiesprach

Sonntag, 9. November 2008

...

Er: sieh den tag.
Ich: es ist dunkel.
Er: sieh den tag.
Ich: wenn es doch aber dunkel ist.
Er: Licht aus Schatten zu greifen, / Das ist Dichterberuf.
Ich: allein, wenn tags mich nacht umgraust?
Er: ah, du vermagst es also zu sehen, das andere?
Ich: abgesehen davon: wo hast du all die abermonate gesteckt?
Er: im anderen.
Ich: was für ein anderer?
Er: die richtigen fragen geben immer die richtigen antworten.
Ich: ver-steh-ich-nich!
Er: ich weiß.
Ich: oder war es ein anderes?
Er: dito.
Ich: essen werde ich dir aber hier nicht bereiten.
Er: ist auch nicht notwendig.
Ich: das heißt?
Er: ich bin satt und weiß, wohin damit.
Ich: morgen?
Er: immer!
lichter anzündend dem sich hebenden blick, verschwand er. immer? was?
Er (aus der ferne): die mail, die du gerade schicktest!

Sonntag, 13. April 2008

...

Augustinus. Noch habe ich deine unangreifbaren innersten Wunden nicht berührt, und ich fürchte mich davor, wenn ich an den Widerspruch und an die Klagen denke, die du leichteren Angriffen entgegengestellt hast.
Petrarca. Fürchte nichts; schon habe ich mich gewöhnt, die Namen meiner Krankheiten zu hören und die Hand meines Arztes zu dulden.
Augustinus. Zwei diamantene Ketten fesseln dir beide Hände und lassen dich nicht des Todes noch des Lebens gedenken. Ohne dein Wollen können sie nicht zersprengt werden; ich besorge, du wirst nicht wollen. Du wirst sie gar nicht sehen; ihr strahlender, schmeichelnder Glanz wird dich blenden, es wird dir ergehen, wie einem Geizigen, der im Gefängniß Ketten von Gold trägt und die Freiheit zwar wünscht, aber das Gold nicht verlieren will. Das Gesetz deiner Haft aber ist dieses, daß du nicht entrinnen kannst, wenn du nicht die Ketten abwirfst.
Petrarca. Wie heißen diese beiden Ketten?
Augustinus. Liebe und Ruhm.
Petrarca. Was hör’ ich! Diese nennst du Ketten? willst sie mir nehmen, wenn ich es leide?
Augustinus. Es ist meine Absicht; ob es gelingt, weiß ich nicht. Du wirst widerstreben, als wollte ich dich der höchsten Güter berauben.

„Aus Petrarca’s Gesprächen mit dem heiligen Augustin“, in: Die Reime des Francesco Petrarca. Uebersetzt und erläutert von Karl Kekule und Ludwig von Biegeleben. Erster Band. Stuttgart und Tübingen. J. G. Cotta’scher Verlag. 1844. S. 20
ist auch kein streben, sich ketten nennen zu lassen, was frei sich bindet in aller ungebundenheit. sofern es denn gelingt. ich fürcht’, es sei vermessen.

Sonntag, 18. November 2007

icke & er



nö, sagte er (oder ich)

Sonntag, 11. Februar 2007

zwiesprach 12

A: was wiegen die wogen?
B: wie soll ich sie wiegen?
A: mach „klick“ und schau sie dir an, wie sie stille stehen.
B: wogen stehen nicht stille.
A: aber sie wiegen.
B: ihre farbe ist blei, aber sie wogen. blei wogt nicht. es wiegt nur.
A: ihr gewicht ist titanisch.
B: woher weißt du das? Ich sollte sie doch wiegen.
A: du wolltest nicht.
B: weil ich nicht konnte.
A: aber sie hämmern, die wogen. immer wieder. und hämmer sind schwer.
B: und der arm, der sie hebt?
A: was weiß ich!
B: und woher kommt die bewegung? wenn sie so titanisch schwer?
A: wiegen sie denn? erwäge es!
B: ich wöge wohl. aber was?
A: die wogen.
B: unstet sind sie. ich hasch’ sie nimmer. immer nur tropfen.
A: mach dich breit!
B: gute idee! was bietest du mir an zum breit werden?
A: eine wiege. oder eine waage.
B: quatsch!
A: dann wiegst du, was gewogen dir ist.
B: wo sind denn die wogen? ich sehe eigentlich keine.
A: gut. endlich habe ich dich auf sand gesetzt: dort, sieh, auf deiner nase!
B: ich trage keine brille! außer wenn ich lesen muß.
A: gut. endlich begreifst du, das es zu wägen gilt.
B: wag’s aber nicht noch einmal, mich an der nase herumzuführen!

Samstag, 9. Dezember 2006

zwiesprach 11

Er: was verkneifst du dir?
Ich: das licht.
Er: nicht etwa körperliche anstrengung?
Ich: nein. ich muß wieder nach hause.
Er: es klappern die flaschen...
Ich: sonne und regennasser asphalt. auf der hinfahrt ging’s besser.
Er: ...im kofferraum - klong!
Ich: auf klappern reimt sich plappern.
Er: auf asphalt: bis bald.
Ich: schon fort?
Er: ich weiß nicht. was soll ich hier?
Ich: nichts natürlich. es sei denn, du willst.
Er: eben! da ist der haken.
Ich: gefangen!
Er: wie? wen? was?
Ich: es tauet der seelachs...
Er: haken reimt sich auf quaken.
Ich: ...im kofferraum - schon!
Er: hör’ ich nichts von!
Ich: nachtgesang halt: dunkel dort.
Er: keine kerze für den fang?
Ich: bums da fällt die lampe um, und alles voll petroleum! äh, in der schule gelernt.
Er: ah, du meinst die benzinpumpe. na, wäre immerhin noch ein bißchen mehr licht.
Ich: und qualm und augen zu.
Er: tja, wär’s shelleyfish gewesen statt seelen-achs...
Ich: lampe... ja, der auch!
Er: beware and fare thou well! mir fällt grad ein, es gibt da einen reichen bach voller forellen. und die ziehe ich nun mal vor.
Ich: faule ausrede! laß dich ja wieder blicken! sonst...

die nächste kurve führte am friedhof vorbei. und die spiegelungen auf dem asphalt hatten ein ende.

Freitag, 10. März 2006

zwiesprach 10

Er: ist die schlangenhaut wieder nachgewachsen? immerhin ist ein monat vergangen seit deiner selbstverbrennung.
Ich: wenn überhaupt: menschenhaut...
Er: unterschied?
Ich: eine schlange sieht mit der zunge.
Er: unterschied?
Ich: was soll das insistieren?
Er: du ßiehßt mit der ßunge, mein jung.
Ich: ßßßßßß...
Er: außerdem beißen sich schlangen in den eigenen schwanz.
Ich: hunde auch.
Er: oru-, ouro-borus bzw. bouros oder was weiß ich... guck links an die wand.
Ich: kenn' ich, weiß ich, war ich schon...
Er: tjaja... lieber nicht an die verrenkungen denken... hm?
Ich: was für verrenkungen?
Er: diejenigen der akrobatik der selbstliebe...
Ich: hör zu: jetzt regnet es gerade nicht... wäre vielleicht sinnvoll, du machtest dich jetzt auf die socken, bevor es wieder aus allen sieben himmeln gießt.
Er: der himmel sieben! hübsche anspielung!
Ich: also dich wünsch' ich in den achten!
Er: danke! da gibt's transzendenz zum naschen...
Ich: falls dir dort der schluckauf kommt, solltest du daran denken, daß nicht ich es bin, der deiner gedenkt!
Er: wer denn sonst?
Ich: na, all die pseudonyme, die du vergessen hast, dir beizulegen!
Er: "euer radio" hat nicht gereicht?
Ich: ist doch kein pseudonym!
Er: na gut, das nächste mal wunder dich nicht, wenn ich hier unter falschem namen auftauch'.
Ich: bin gespannt.

Donnerstag, 9. Februar 2006

zwiesprach 9

Er: denn man kann vom leben, wenn es gewaltig ist, nicht auch noch fordern, daß es gut sein soll...
Ich: Musil... habe dich gar nicht bemerkt heute morgen...
Er: tja, bin halt hinter dem gedanken.
Ich: und hinter dem feuer statt davor.
Er: wie geht's der brandblase denn?
Ich: eklig anzuschauen... vor allem.
Er: da ich nun mal unkörperlich, konnte ich dich nicht rechtzeitig zurückziehen... HÖREN auf mich, diese illusion habe ich mir abgewöhnt im verlauf unserer bekanntschaft.
Ich: du hättest es ja regnen lassen können, dann wäre ich nicht auf die idee gekommen, den haufen äste anzustecken.
Er: wenn, wenn, wenn.
Ich: wer den spott hat, braucht für den schaden nicht zu sorgen.
Er: genau.
Ich: schönes gefühl, wie? mich so lädiert zu sehen.
Er: ach nein, im grunde tut's mir ja auch leid. schon um deinen rechten zeigefinger, und dieser geruch von angesengten haaren... wärest du wenigstens eine gans...
Ich: komm, scher dich!
Er: wünsche dir eine angenehme nacht... mit träumen von glutsonnen...
Ich: und mit dir am spieß darüber...

Dienstag, 31. Januar 2006

zwiesprach 8

Er: o blauer himmelsschmelz, umstrahlst den tag in deinem lichten wölben.
Ich: du darfst hier sowieso nicht dichten.
Er: wieso ich. du legst mir doch den schmonz in den mund, außerdem hast mein anfängliches „umleuchtest“ eigenmächtig korrigiert.
Ich: erst bin ich’s, dann bin ich’s nicht… was nun?
Er: du meinst, erst bin ICH’s, dann bist DU’s… was nun?
Ich: wie ein dicker fetter taler aus lauter’m gold aufglänzet in der sonnen licht, so strahlet wohl das tagsgestirn als himmelstaler und spiegelt deinen frohen sinn…
Er: o, sonniges gemüte!
Ich: von wem war das jetzt?
Er: von dir!
Ich: quatsch, ich hab’s in deinen gedanken gelesen.
Er: dann mußt aber arg an gedankenlegasthenie leiden…
Ich: was ist das?
Er: schwierigkeiten beim lesen von gedanken. denn ich dachte etwas ganz anderes.
Ich: ich weiß, ich hab’s nur uminterpretiert.
Er: ah, so ein schlaumeier!
Ich: hier, nimm schon: ein glas voll goldgelber flüssigkeit, darin der sonne strahlen funkeln.
Er: o, sonniges gemüte!

Samstag, 28. Januar 2006

zwiesprach 7

Er: niemals musik in deinem haus, wenn du allein bist, außer in raren fällen.
Ich: ich horche auf …
Er: und gleich gehst du weg zum fenster, der halb unter der dachpfanne hervorlugenden heuschrecke ein wenig asche aufs haupt zu streuen.
Ich: grüße aus afrika. immer wieder läßt sich eine blicken, wenn der wind aus südlichen richtungen weht.
Er: friedenstauben aus timbuktu.
Ich: und ferne erinnerungen an friedenstaubheit und friedlichen staub.
Er: hellhörig ist nur, wer angst hat.
Ich: oder wer zwei ohren hat und keine musik zwischen sich und die welt legt.
Er: aber im auto durch die gegend fahren und die ewig gleichen pink-floyd-cassetten hören…
Ich: auch daran habe ich mittlerweile die lust wieder verloren.
Er: ich, du betrittst wieder eine neue phase.
Ich: gewohnheiten sind für ein weilchen ganz gut, aber dann werden sie irgendwann fad.
Er: verstehe. sag mir, wie oft du deine gewohnheiten wechselst, und ich sage dir…
Ich: was?
Er: ich habe lange keine zigarette mehr geraucht, und dein bitterer kaffee… nun ja…
Ich: was?
Er: gibt mir mal eine zigarette, mal seh’n, wie’s der heuschrecke geht.

Freitag, 27. Januar 2006

zwiesprach 6

er1
Er: nervös?
Ich: nö, wieso?
Er: du sitzt da, als wartetest du auf etwas?
Ich: warte-test?
Er: tete-a-tete-test.
Ich: tätest du mir einen gefallen?
Er: doch nicht etwa deinen tee testen?
Ich: kalt steht stets der tee auf dem herd. wenn du möchtest? ich ziehe kaffee vor.
Er: wie steht’s denn nun mit dem gefallen.
Ich: stell dich doch mal in pose, damit ich dich fotografieren kann.
Er: du hast mich doch schon mal fotografiert. das reicht doch.
Ich: war etwas vergnubbelt, jemand assoziierte gar kaugummi.
Er: ich weiß, in einem jahr könnte ich durchaus zum marsmännchen werden.
Ich: gut, danke. schon geschehen.
Er: aber bitte nur die visage.

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