der dschungel der seelen so dunkel
wie die haut und die augen, die
das moderne leben aufpäppelt zu
harter notwendig- und niedrigkeit
rom nunmehr im klinsch unreiner
ordnungslosigkeiten, blinder stil-
verwirrungen, so wie eine flutwelle
über einstürzende dämme tritt: ohn-
mächtig spürt es das rom der macht,
pöbel noch, das nationale bangen.
Pier Paolo Pasolini
letzte strophe von teil I des gedichts „L’umile Italia“: La jungla delle anime scure / come la pelle e gli occhi, che / la moderna vita nutre a dure / necessità e bassezze, ormai è / su Roma, la stringe in impure / confusioni, in ciechi smarrimenti / di stile, come una piena sale / oltre i rotti argini: impotente / la Roma del potere ne sente, / ancora plebe, l’ansia nazionale. - wiedergefunden nach monaten „Le ceneri di Gramsci“ unter einem antiquariatskatalog im zeitungsformat, als ich dann doch mal wieder staub wischen muße.
Schlag, Rüpel, nur zu; remple, freudloser Wind; peitschender Hagel
Maienschönheitsgemetzel, wild wachsen & fetzen die Wolken
Aus dem Riesen-Geluft; sag dem Sommer Nein,
Bitt um Wiederfreude, bei der Ernte, blaß aber bleibe Hoffen.
im Reclam-bändchen blätternd der gedichte von Gerard Manley Hopkins (übersetzung Ursula Clemen und Friedhelm Kemp), mochte es dennoch versuchen, dieser letzte maitag ist danach; hier die Reclam-texte, engl. u. dt.:
Strike, churl; hurl, cheerless wind, then; heltering hail
May’s beauty massacre and wispèd wild clouds grow
Out on the giant air; tell Summer No,
Bid joy back, have at the harvest, keep Hope pale.
Schlag zu, Kerl; brich herein, trostloser Wind, denn; peitschender Hagel
Mag Maienschöne morden und bündelweis wildes Gewölk aufwachsen
In der ungeheuren Luft; sprich zum Sommer Nein,
Ruf Freude ab, habs auf die Lese abgesehn, halt Hoffnung fahl.
fand nirgends das „heltering“ ohne „skelter“, drum von Reclam als „peitschend“ übernommen (ich glaube, die beiden übersetzer haben das gedicht nicht verstanden, weil sie nichts wußten von solchen naturkatastrophen, allein schon für die blüten der pflanzen, die dann zu früchten hätten werden sollen).
Am Ende der schneeweißen neuen Brücke über den Tiber,
fertig gebaut von den Katholiken, um die Faschisten nicht Lügen zu strafen,
zwischen Friesen, Säulenstümpfen, falschen Fragmenten, unechten Ruinen
eine Gruppe von Frauen, die in der Sonne auf Kunden wartete.
Darunter auch Franca, eine, die aus Viterbo hierher gekommen war,
ein Mädchen, aber schon Mutter, die war am schnellsten:
lief rufend zur Tür meines Autos
so selbstsicher, daß ich sie nicht mehr enttäuschen konnte:
stieg ein, machte es sich bequem, fröhlich wie ein Junge,
und führte mich Richtung Via Cassia: bogen dann ab und
fuhren auf einer verlassenen Straße unter der Sonne
zwischen Gipsbaustellen und tripolitanischen Häuschen
und gelangten zu ihrem Platz: eine kleine Wiese
unterhalb einer Anhöhe mit Moosflechten und Grotten.
Ein altes braunes Pferd weiter hinten im feuchten Gras,
ein leeres Auto inmitten der Büsche
und nicht weit : hier und dort das Echo festlicher Böller:
rings herum war es voller Paare, junge und arme Leute.
In jenen Tagen waren mein Leben, meine Arbeit angefüllt,
keine Unausgeglichenheit, keine Angst bedrohte mich:
jahrelang war ich vorangekommen, zunächst durch die Gnade des Körpers,
- Sanftmut, Gesundheit und Begeisterung, die mir die Geburt gab,
dann durch ein Licht des Denkens, wenngleich noch unsicher,
- Liebe, Kraft und Bewußtsein, die ich mir im Leben erwarb.
Und doch, erstes und einziges ungeborenes Kind, es schmerzt mich nicht,
daß du niemals hier sein kannst, auf dieser Welt.
du bist wie eine erde
die niemand je gesagt.
du wartest auf nichts
wenn nicht auf das wort
das dann dem boden entspringt
wie eine frucht in den zweigen.
ein wind ist, der dich einholt.
was trocken und was abertot
das füllt dich an, geht mit dem wind.
uralte glieder und worte.
im sommer, da zitterst du.
29. Oktober 45
Tu sei come una terra
che nessuno ha mai detto.
Tu non attendi nulla
se non la parola
che sgorgherà dal fondo
come un frutto tra i rami.
C'è un vento che ti giunge.
Cose secche e rimorte
t'ingombrano e vanno nel vento.
Membra e parole antiche.
Tu tremi nell' estate.
ich weiss, jetzt weiss ich’s
nicht mische essig und rosen
so heimtückisch der sommer im schrank
hautrippe aber wird durst, sag’ ich
angelogen von uns die rücken, die sich berührten
die gläser, die extra enthüllten, die haare
die für dich von den knöcheln zu den augen
zu den schlafkragen
und grasnadeln : bänke für eine gartenszene
dies die weniger exaltierte version als die version automatique von gestern, welche diese gewesen:
weiss ich dora von jetzt an weiss ich
nicht mische essig und rosen von
heimtückisch der sommer im schrank
sag ich haut rippe und durst der wird
lügen die rücken die berühren wir sich
bis ein enthüllt die gläser konventionen bis
haare für dich die von den knöcheln augen zu
schlafkragen zu des schlafschlafensschlafs
und grasnadeln : bänke für gartenszenen
Schon vor Jahren nicht weitergekommen hiermit. Wegen „un“ „il“, kein Unterschied zwischen Nominativ und Akkusativ. Wer kränkt, beleidigt hier wen? Zweideutig, auch in der frühen Fassung: „dann traf er auf einen düsteren See, den/der - der/den blaugrüne(n) Himmel beleidigt bzw. kränkt“ - Poi incontrò un lago torvo / che il cielo glauco offende. Die einzige Möglichkeit, die Zweideutigkeit auch im Deutschen wiederzugeben, war das Femininum. Die Verlaufsform des Verbs [eine im nachhinein zurückgenommen] ergab sich mir aus der Situation des Beobachtens: es geschieht, was ich seh’. Den Titel suggeriert der ursprüngliche „Colore“. Aigner, den ich las, hat: Zwei Merkmale
1927
Ein kleiner Bach beringt die Gräser,
den blaugrünen Himmel beleidigt ein düsterer See.
eher feststellend als beobachtend im Ton... in solchen Fällen ist jedes Bessermachen ein Andersmachen, ein Lesen. Ein Auchlesen.
p.s. Das ist es wohl: in einem alten Wörterbuch fand ich „wasserblau“ für „glauco“, und so kann wohl der Himmel den düstern See beleidigen.