Montag, 17. Juli 2006

[Wo das Meer stillsteht 5,12]

Wo das meer stillsteht (4)

3

bei irgendeiner adresse - schneiden kinder einen granatapfel auf
irgendeine adresse - stellt sich die kinder wie
augen vor - weiße nüsse im fleisch
blut - zwitschernder vogel geronnen zu glas
ein halber körper windet sich unsichtbar in den händen
und aufgekautes rosa gelee auf den zähnen verschmiert
tod - kinder haben’s gesehen

was uns vergißt und was erbarmungslos durch vergessen geheilt wird
lampenlicht abstrahiert von einer stadt im dämmer
wieder einmal - doch niemals das letzte mal

was uns der richtung entblößt und was durch zu viele richtungen entblößt wird
blau - immer ausgebreitet in kopfhöhe,
               wird schwarz im starren blick
muß immer ein irgendwo haben für die vergebliche hoffnung eines ausfalls
damit die adressen bildenden worte - sich an den eiter der menge gewöhnen
die leere - in der augenhöhle
               nur symmetrisch zum
meer - gestaltlos unter den händen der blinden

irgendeine adresse ist dafür bestimmt, silbrige parfümierte knochen zu pflanzen
unsere tiefen fortzureißen
von den jahreszeiten geröstete kindermandeln
werden zu jeder
               vorstellung - verneint durchs gesehen werden
               durch zerstörung hervorgerufen
der granatapfel - umwickelt blaue verkalkte kerne
das meer ist noch nie über die einsamkeit hinaus geschwappt
nie war da ein anderer - der unter den klippen zerschellte
wir hören uns - sonstwo fallen und zerschellen
kein meer, das nicht in die leere des gedichts rutscht
durch lang schon totes licht aufgeschnittene kinder - stehen still - dieses ufer
ist da, wo wir uns segel setzen sehen

[Wo das Meer stillsteht 5,11]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

meer

... das war's!

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