Ibn Hamdîs, Diwan, V

1
Die Finsternis lag wie schwarze Tinte ausgegossen auf der Erde,
und mit der nächtlichen Reise zerriß ich ihren Schleier,

2
die Freundinnen zu besuchen. In deren Dickicht verbargen sich
die Feinde gleich wütenden Löwen, die den Blick schärfen.

3
Der Stamm wußte nichts davon, und ich ging auf glühenden Kohlen der Feindschaft,
die den, wäre er denn aus Eisen, schmelzen ließen, der den Fuß darauf setzt.

4
So groß meine Leidenschaft, daß mein Haar davon weiß wurde, daß selbst
ein Jüngling in der Blüte der Jahre, davon ergriffen, weiße Haare bekäme.

5
Ich ritt eine Kamelstute, die den Weg nur so verschlang,
in deren Adern reines Rassenblut floß;

6
mit smaragdgrünen Klauen an Hufen, die sie im Laufen
auf Steine setzte, ohne sich zu verletzen.

7
Zum Beweis reckte sie den Hals, so daß sie fast das Wasser
zu trinken bekam, das die Winde in den Wolken vorwärts peitschen.

8
Sie schreckte mit mir die Eule auf, als hätt’ ich sie, die Stute,
eigens um sie, die Eule, zu jagen, bestiegen.

9
Begleiter war mir ein Schwert, dessen Maserung wie Ameisengewimmel,
damit sich Fliegen ihm zugesellen.

10
In seinem Wasserglanz schien’s, als hätte die Sonne
mit ihren Strahlen ihren Speichel darauf gespien.

11
Der Morgenröte Schlange hatte die Sterne verjagt
wie ein Sturzbach, dem die Luftblasen zum Opfer fallen.

[Ibn Hamdîs, Diwan, IV]
albannikolaiherbst - 16. Sep, 19:48

.

toll.

Und hier läßt sich poetisch wirklich nachdichten.
Wundervoll, lieber Parallalie!

parallalie - 16. Sep, 21:32

hab' grad noch ein bißchen geändert, aber das passiert auch schon vorm einstellen im vergleich zu dem bereits geschickten text. man ist leider kein Rückert, der hätte das aus der lamäng gemacht. ich sollte mir doch seine koran-version antun. denn da sind usancen aufzuspüren. was weiß man schon von kamelzucht!

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