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Samstag, 4. Februar 2006

[Wo das Meer stillsteht 4,19]

Metapher

hinterher – brüten, wie immer, die himmelsverbrechen auf deinem körper
einen grünen zweig, der über vögel herfällt
ein zwielicht beschließt, die lautsprecher abzuschalten
warum spielen sie nicht?
keine dunkelheit war je fragment
da ist eine oper – eine der rollen öffnet den mund nicht
ein fluß – verwandelt die passanten an seinem ufer in ertrinkende
die spannweite der brücke in deinem körper
du mußt auf diesen endpunkt zugehen, den du immer vermieden hast
vergessen auch wieder von tagen, die es verschmähen, dich zu vergessen
mondlicht – transparent nur, wenn es vorüber
läßt dich eine landschaft lieben, die du nur hassen kannst
pause
so still all die musik, die du hörtest

[Wo das Meer stillsteht 4,18] <<>> [Wo das Meer stillsteht 4,20]
Text nach YANG LIAN, Dove si ferma il mare

“so still all die musik, die du hörtest“ – übliche diskrepanzen, die vielleicht alle dasselbe meinen, nämlich die in der stille er- und nachklingende musik. in der englischen übersetzung heißt es „so silent you have heard all the music“ und in der italienischen „tanto silenzio da ascoltare tutta la musica“, die die stille eher zur voraussetzung macht. während im englischen eher eine feststellung erfolgt. meine version führt die musik direkt in ein stilles hören. aber diese entspricht auch ein wenig meiner intention: den text, so wie ich ihn vor mir habe, skizzieren, ohne die prätention, ihn genau wiedergeben zu wollen, da dies wegen meiner unkenntnis des chinesischen nicht geht.

käfige XVI

fahrrad

ins dorf : ins dorf : die letzten häuser vor dem letzten kilometer zur grenze : den schützenplatz und den garten : mal beiseite gelassen : als orte : zur beschreibung der käfige : in denen ein gewisses denken gefangen ist : an dem verstehen abprallt : und erinnern zur unmöglichkeit wird : nur noch der gedanke : hier stand das haus : dahinter auf dem hof : die tischlerwerkstatt : der anderen familie : die im hause wohnte : auf dem hof weiter rechts das plumpsklo : von dem es später hieß : unter irgendeinem alten mann hätten die morschen bretter nachgegeben : und er sei hinunter gefallen : in all die fäkalien : die erinnerung an die alte frau : die dort ebenfalls ein zimmer bewohnte : und mir immer ein brot mit marmelade vorsetzte : fein säuberlich in kleine rechtecke geschnitten : „oma matlath“ : drei fotos : eines von meinem zwanzigjährigen vater vor der vorderfront im bräutigamshabit : (wäre es farbig, ihm stände etwas röte im gesicht : der blick verlegen : verschämtes lächeln) : es gibt sonst kein hochzeitsfoto : meine mutter kam zwei wochen nach der hochzeit mit mir nieder : (merkwürdiger ausdruck) : zwei zeigen mich als wulstbeiniges kleinkind mit der tochter des tischlers in der hofeinfahrt : als drittes ein ball dabei : halt : und noch ein viertes : wo ich auf dem fahrrad vor meinem vater sitze : das fahrrad an die gegenüberliegende stallwand gelehnt : und die nachnamen : tischler markwart : matlath : ma : ma

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