Samstag, 7. November 2009

diktionen

Gottfried Benn - Palau



Todesfuge - Paul Celan

mich lächelt ...

mich lächelt
harm
aus aller
fassung

und hechelt
warm
was zungen
wehren

wenn mauern
sich
aus worten
zehren

Freitag, 6. November 2009

über den ...

über den
den gelassen
das glas
auf dem
heft den
rand hinein
in den kreis

wo welt
sich zur
kugel
gebiert

die in sich
gesichter
aus allem
all heraus

Donnerstag, 5. November 2009

daß zeit vergehe ...

daß zeit vergehe
das schreibt
mit immer neuen
alphabeten
so hin auf alle
flächen
die zuoberst liegen
der blick
der sich dreht

und bleibt

Mittwoch, 4. November 2009

Dave Mckean - Sonnet 138



SCHWÖRT mir die Liebste, daß sie treu: erkannt
hab ich die Lüge, will ihr aber glauben;
damit sie glaubt, ich wäre noch ein Fant,
dem schlechte Welt die Unschuld nicht konnt’ rauben.

So glaubend, daß sie noch für jung mich hält,
obwohl sie weiß, daß ich bereits in Jahren,
hab ich mich vor der Lügnerin verstellt,
daß beiderseits die Wahrheit wir bewahren.

Doch warum sagt sie mir nicht, daß sie lüge?
Warum bekenn ich ihr nicht mein Gebrechen?
Ach, Liebe liebt dergleichen Winkelzüge
und liebt es nicht, vom Ältersein zu sprechen.

Ich laß von ihr, sie sich von mir betrügen,
umlügend unsre Fehler zum Vergnügen.


Shakespeare, dt. von Karl Kraus

dich haben sie ...

dich haben sie
ins dich gesperrt
die ge-dich-te

hallo-kumpel-
atmosphäre

was du nicht willst
das man dir tu

das füge einem
andern zu

Montag, 2. November 2009

‘tis pity ...

‘tis pity
I have you forlorn
dich tu ich
dich tun
himmlisch
schön sagst du
sterbliche
von stein
ein traum

but home forsaken

du redest ...

du redest
wenn du redlich
und ich dich
dafür halte

schweigen selbst
ist redlich
deine stille

die sich dem tag
anschmiegt

was
unvorherig
gegen-wart

I sleep in the
subway, darling!

Sonntag, 1. November 2009

das umdreh’n

Alda Merini

„Ich hatte ein schönes Leben. Wissen Sie, was das schönste Kompliment war, daß man mir je gemacht hat. Das machte mir meine Nachbarin, die leider nicht mehr ist, und das ich nie vergessen werde. Sie erzählte mir, daß sie in Sardinien im selben Haus wohnte, in dem auch Grazia Deledda wohnte, und daß ich sie an sie erinnere, weil ich wie sie mich nicht wichtig nehme, und weil ich auch mit einem Fummel am Leib noch gut aussehe. Ich habe nichts weiter zu sagen. Und was sagen Sie dazu?“
Dario Cresto-Dina: Alda Merini, in: Internetausgabe von La Repubblica - Alda Merini starb heute im Alter von 78 Jahren.

La poesia

Sono
molto
irrequieta
quando
mi legano
allo spazio.

Wie unruhig ich bin, wenn sie mich an den Raum festbinden. - Von: hier.

Freitag, 30. Oktober 2009

euer land ...

euer land
ist
pommerland

agoníe
pat-ire

wenn feen
eilig kriege
beenden

heart’s fee
that’s payin’
a lot

irdene
erde
nimmersatt

Donnerstag, 29. Oktober 2009

In A Gadda Da Vida I + II

In A Gadda Da Vida - Iron Butterfly I



In A Gadda Da Vida - Iron Butterfly II

rot leuchtet ...

rot leuchtet
deinen blauen augen
der efeu

aus deinem gesicht
das vergehen

Mittwoch, 28. Oktober 2009

beschwert und kund ...

beschwert und kund
mein schweres geheimnis
me faisait languir
nur daß l’unique soin
était
daß vor ihrem
herzen verschmachtet
das weh der einzigen sorge
„beschwert“ hieß nur „sie“
das leid zu finden
das geheimnis
daß mein tun
daß mein herz
ließ leides grund
secret douloureux qui...
einer sorge voll
würd’ ich’ vertiefend
einzig meinen,
d’approfondir le...

ma che vuoi da me?


french italics from “La vie antérieure” by Baudelaire, italian italics by Canio Loguercio

Dienstag, 27. Oktober 2009

hatt’ nicht ich ...

hatt’ nicht ich
bis ans herz hinan
mir kälte
gesogenannt
was andersherum
mir butter un-
verfroren
die ufer über-
schwappen läßt?

löffeln sollst du
löffeln sag’ ich

den rest kalt
werden lassen
in den kühlschrank
stellen und morgen
wieder aufwärmen

Montag, 26. Oktober 2009

Norah Jones - Cold Cold Heart

sitzen bleiben ...

sitzen bleiben
die nicht aufsteh’n
lamento-gebete
„steh auf mein herz“

liegen bleiben
die toten die
spielen „hasch
mich“ mit hand und
herz und fusseln
vorm mund ohn’
alles aufersteh’n
(au! verstehen)

die zypressen
verbeugen sich
„reich mir die hand“
nur daß sie dich
loslassen
wenn sie dann
gerade stehend
dich im schwung
an der hand

über alle berge

Sonntag, 25. Oktober 2009

weißsicht ...

weißsicht
blaue
ankerfäden
an verzwei-
(falls schirm
na dann
weite dich
und vergiß
die hosen-
näh(t)e)
gungen

infinite
unzeit ab
weißichschon
(datum est)
falls dir
gingen
ein gang
und ge-
gungen

Samstag, 24. Oktober 2009

wachschlafen ...

wachschlafen
die zeit
schlafwandeln
das wachen
die lider im dazwischen
die millisekunde
einer kugel
die das lid zerfetzt
eines soldaten
was der tod beweist
bzw. das leben
bzw. die millisekunde

wachen

Ein Ding, das mir allerdings nicht gefiel, war, als sie Spangen oder Klammern an die Haut meiner Stirn machten, so daß meine Augenlider hoch und hoch und hoch gezogen wurden und ich meine Glotzies nicht mehr zumachen konnte, egal wie ich es versuchte. Ich versuchte zu smecken und sagte:
„Das muß eine Horrorschau von einem Film sein, wenn Sie so scharf darauf sind, daß ich ihn sehe.“
Einer der Weißmantelvecks sagte smeckend: „Horrorschau ist richtig, Freund. Ein wirkliche Horrorschau.“

Burgess, Uhrwerk Orange

Donnerstag, 22. Oktober 2009

da war himmel



gespielt dann doch

corri! ...

corri!
gier das
zwie das
kennen
in:
geh aus
aus mund
und nas’
und ohr
leih dir ein z

mehr brauch’
ich nicht

du hast’s:
gedacht

anderssagen ...

anderssagen
den wind
die ins lächeln
platzenden worte
freundliche
wunden als mund-
nasenohrenaus-
formung
fußgerecht
und bar aller
kenntnis den
wundern aber
doch nicht ganz
verzeih’n und
dem schon gar nicht

platzwunden ...

platzwunden
ins wort gelächelt
den mund verzieh’n

ihm aber nicht
wo freundlichkeit
sich selbst
nicht kennt

entwinden sich
dem platz
so aller wunder
bar
... häuptig?

von kopf bis fuß!

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