Montag, 20. Mai 2013

blumenalt

die
blume
wird
alt
das
auge
trocken

blumen-
alt
das
auge

blume
die’s
wird

nicht die hand hielt ...

nicht die hand hielt
was hand verhieß

die kurze be-
rührung

auf die mutter
die tote
legt sich mein
leib

utter this
utter this

die finger
rot auf-
geschwollen

bersten
berserken

(8.5.13)

Dienstag, 16. April 2013

Unfertig - Giacomo Joyce 48

Unfertig. Eine kahle Wohnung. Trübes Tageslicht. Ein langes schwarzes Klavier: Totenschrein der Musik. Abgelegt auf dessen Rand ein Frauenhut mit roten Blumen und ein zusammengerollter Schirm. Ihr Familienwappen: ein Helm, Zinnoberrot, ein Speer, frei heraus auf zobelschwarzem Feld.

Post scriptum: Lieben Sie mich, lieben Sie meinen Schirm.

Unreadiness. A bare apartment. Torbid daylight. A long black piano: coffin of music. Poised on its edge a woman's hat, red-flowered, and umbrella, furled. Her arms: a casque, gules, and blunt spear on a field, sable.

Envoy: Love me, love my umbrella.


>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 47

"Warum?" - Giacomo Joyce 47

"Warum?"
"Sonst wär's mir unmöglich, Sie wiederzusehen."
Schweifen - durch Räume - durch Zeitalter - Espenlaub der Sterne - und schwindender Himmel - Stille - noch tiefere Stille - Stille der Nichtswerdung - und ihre Stimme.

Non hunc sed Barabbam!

"Why?"
"Because otherwise I could not see you."
Sliding - space - ages - foliage of stars - and waning heaven - stillness - and stillness deeper - stillness of annihilation - and her voice.


Non hunc sed Barabbam!

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 46
>>> Giacomo Joyce 48

Freitag, 12. April 2013

Jan Pieters Sweelinck - Giacomo Joyce 46

Jan Pieters Sweelinck. Der wundersame Name des alten holländischen Musikers läßt alles Schöne in wundersame Ferne entrücken. Ich höre seine Variationen für Klavichord über eine alte Weise: Mein junges Leben hat ein End. In der Nebelwelt der alten Klänge glimmt ein schwacher Lichtpunkt auf: die Sprache der Seele liegt auf der Zunge. Mein junges Leben hat ein End: und das ist jetzt. Es kann nicht sein. Du weißt es nur zu gut. Was dann? Schreiben sollst du’s, verdammt noch mal, schreiben sollst du’s! Wozu sonst bist du denn da?

Jan Pieters Sweelink. The quaint name of the old Dutch musician makes all beauty seem quaint and far. I hear this variations for the clavichord on an old air: Youth has an end. In the vague mist of old sounds a faint point of light appears: the speech of the soul is about to be heard. Youth has an end: the end is here. It will never be. You know that well. What then? Write it, damn you, write it! What else are you good for?

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 45

>>> Giacomo Joyce 47

Montag, 8. April 2013

Das überzeugt mich nun wirklich nicht ... Giacomo Joyce 45

- Das überzeugt mich nun wirklich nicht, daß solche Beschäftigungen des Geistes und des Körpers auch noch der Gesundheit schaden sollen.
Sie spricht. Eine schwache Stimme, ferner noch als die kalten Sterne. Pythisches Orakel. Sprich doch! Sprich weiter, laß mich weise werden! Nein, diese Stimme kannt’ ich nicht.
Langsam umschließen mich ihre Windungen auf dem zerknautschten Sofa. Ich bin gelähmt, ich sag’ kein Wort. Sich schlängelndes Fleisch, den Sternen entbunden. Treuloses Orakel. Nein. Weg von hier. Weg.
- Jim, Liebster! -
Sanft saugen Lippen sich küssend in meine linke Achselhöhle: ein Schlangenkuß, der abertausend Adern öffnet. Ich verbrenne! Ich bäume mich auf, ein Blatt in lohender Glut! Aus meiner rechten Achselhöhle schießt eine reißende Flamme. Eine Sternenschlange hat mich geküßt: eine kalte Nachtschlange. Es gibt kein Entrinnen!
- Nora! -


- I am not convinced that such activities of the mind or body can be called unhealthy -
She speaks. A weak voice from beyond the cold stars. Voice of wisdom. Say on! O, say again, making me wise! The voice I never heard.
She coils towards me along the crumpled lounge. I cannot move or speak. Coiling approach of starborn flesh. Adultery of wisdom. No. I will go. I will.
- Jim, love! -
Soft sucking lips kiss my left armpit: a coiling kiss on myriad veins. I burn! I crumple like a burning leaf! From my right armpit a fang of flame leaps out. A starry snake has kissed me: a cold nightsnake. I am lost!
- Nora! -


>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 44
>>> Giacomo Joyce 46

Sonntag, 7. April 2013

Eine weiche erbsengrüne Decke ... Giacomo Joyce 44

Eine weiche erbsengrüne Decke blieb zerknautscht auf dem Sofa liegen. Ein enges Pariser Zimmer. Grad lag da noch die Friseuse. Ich küßte ihren Strumpf und spielte mit dem verstaubten Saum ihres rostroten Rocks. Dem der anderen. Sie. Gogarty kam gestern, um eingeweiht zu werden. Der Grund: Ulysses. Paradigma der geistigen Verfassung.... Also Irland? Und der Gatte? Soll er nun in seinen abgelaufenen Schuhen den Korridor auf- und abschreiten oder Schach gegen sich selbst spielen? Wozu sind wir eigentlich hier? Da lag doch grad noch die Friseuse, knetete meinen Kopf zwischen ihren knorrigen Knien.... Paradigma für Unsereins. Hört hört! Die taumelnde Trübsal kam zu Fall. Hört hört!

A soft crumbled peagreen cover drapes the lounge. A narrow Parisian room. The hairdresser lay here but now. I kissed her stocking and the hem of her rustblack dusty skirt. It is the other. She. Gogarty came yesterday to be introduced. Ulysses is the reason. Symbol of the intellectual conscience.... Ireland then? And the husband? Pacing the corridor in list shoes or playing chess against himself? The hairdresser lay here but now, clutching my head between her knobby knees …. Intellectual symbol of my race. Listen! The plunging gloom has fallen. Listen!

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 43
>>> Giacomo Joyce 45

Freitag, 5. April 2013

im dunkel ...

im dunkel
ganz stikum
da streben
die schritte
die sterben
dem bald
wieder zu
(ei) (ei)

die hände
die schirren
die spülung
und woll’n

ins zuvor
(ei) (ei)

Sie legen mir zu Füßen Teppiche aus ... Giacomo Joyce 43

Sie legen mir zu Füßen Teppiche aus für den Einzug des Menschensohns und warten, daß ich vorübergehe. Sie steht im gelben Schatten der Vestibüls, über die herabsinkenden Schultern zieht sie gegen die Kälte ein Wolltuch zusammen: und als ich verwundert stehen bleibe und mich umschaue, wendet sie sich mit einem frostigen Gruß der Treppe zu und feuert noch kurz aus einem stockenden Seitenblick einen Strahl hochprozentigen Gifts auf mich ab.

They spread under my feet carpets for the son of man. They await my passing. She stands in the yellow shadow of the hall, a plaid cloak shielding from chills her sinking shoulders: and as I halt in wonder and look about me she greets me wintrily and passes up the staircase darting at me for an instant out of her sluggish sidelong eyes a jet of liquorish venom.

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 42
>>> Giacomo Joyce 44

Dienstag, 2. April 2013

Nachdem ich bei Ralli gewesen ... Giacomo Joyce 42

Nachdem ich bei Ralli gewesen, steht sie unversehens neben mir vor einem blinden Bettler, auch sie mit einem Almosen in der Hand. Als Antwort auf mein hastiges Grüßen dreht sie sich weg und wendet ihre schwarzen Basiliskenaugen ab. E col suo vedere attosca l’uomo quando lo vede. Eurem Worte, Messer Brunetto, verbindlichsten Dank.

As I come out of Ralli‘s house I come upon her suddenly as we both are giving alms to a blind beggar. She answers my sudden greeting by turning and averting her black basilisk eyes. E col suo vedere attosca l‘uomo quando lo vede. I thank you for the word, messer Brunetto.

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 41
>>> Giacomo Joyce 43

Sonntag, 31. März 2013

Meine Stimme verhallt ... Giacomo Joyce 41

Meine Stimme verhallt in den nur noch sich selbst hörenden Worten, verhallt wie die faden Weisheiten des Ewigen, die ihm, Abraham, nachstellten im Echo der Hügel. Denn sie lehnt sich zurück in die Kissen an der Wand: odaliskengleich im schwelgenden Dunkel. Ihre Augen tranken meine Gedanken: und in die feuchte warme willige komm! heischende Dunkelheit ihres Frauseins vergoß und verströmte und flutete meine selber zerfließende Seele ihren schier uferlosen Samen...... Nehme sie nun wer will!....

My voice, dying in the echoes of its words, dies like the wisdom-wearied voice of the Eternal calling on Abraham through echoing hills. She leans back against the pillowed wall: odalisque-featured in the luxurious obscurity. Her eyes have drunk my thoughts: and into the moist warm yielding welcoming darkness of her womanhood my soul, itself dissolving, has streamed and poured and flooded a liquid and abundant seed ...... Take her now who will!....

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 40
>>> Giacomo Joyce 42

Samstag, 30. März 2013

euphemia

euphemia

schnellhändig
das aufknüpfen
des überhaupts
mit ohren
die am
bauch der welt
segeln

sobald sie’s
plätschern
hören

Grauer Brodem wirbelt in Kränzen ... Giacomo Joyce 40

Grauer Brodem wirbelt in Kränzen über der Heide. Ihr so graues, ernstes Gesicht! Feuchtes krauses Haar. Weich pressen ihre Lippen, in einem Seufzer holt sie Luft. Geküßt.

Whirling wreaths of grey vapour upon the heath. Her face, how grey and grave! Dank matted hair. Her lips press softly, her sighing breath comes through. Kissed.

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 39
>>> Giacomo Joyce 41

Donnerstag, 28. März 2013

Ihr duftloser Körper ... Giacomo Joyce 39

Ihr duftloser Körper: Blume, die nach nichts riecht.

Im Treppenhaus. Eine kalte hauchzarte Hand: befangenes Schweigen: Augen, in denen dunkel Apathie zur Flut anschwillt: Überdruss.

Her body has no smell: an odourless flower.

On the stairs. A cold frail hand: shyness, silence: dark langour-flooded eyes: weariness.


>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 38
>>> Giacomo Joyce 40

Mittwoch, 27. März 2013

nichts wird ...

nichts wird
gescheh’n
als das haus
darin ein
passepartout
ein wasser
ihn behält
als stoff in
dem das leben
vor dem tod
ihn schönt

und nachts
der gang
der gellt
und gilt


Das Haus, darin zu wohnen. Drin das Leben vor dem Tode schonen. Raoul Hausmann, HYLE.

Dienstag, 19. März 2013

Diese kalten ruhigen Finger ... Giacomo Joyce 38

Diese kalten ruhigen Finger, die sie berührten, die Seiten, so falsch und schön, auf denen meine Schande für immer glühen wird. Ruhige kalte lautere Finger, die... nie sich vergriffen?

These quiet cold fingers have touched the pages, foul and fair, on which my shame shall glow for ever. Quiet and cold and pure fingers. Have they never erred?

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 37
>>> Giacomo Joyce 39

Sonntag, 17. März 2013

Meine Worte in ihrem Geist ... Giacomo Joyce 37

Meine Worte in ihrem Geist: kalte glattpolierte, im Moor versackende Steine.

My words in her mind: cold polished stones sinking through a quagmire.

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 36
>>> Giacomo Joyce 38

Dienstag, 12. März 2013

Loggione. Die feuchten Wände schwitzen ... Giacomo Joyce 36

Auf der Galerie. Muffige Wände schwitzen dunstige Feuchtigkeit aus, und die geklumpte Masse der menschlichen Gestalten verschmilzt zu einer Symphonie aus Gerüchen: saurer Mief aus Achselhöhlen, zerstäubte Pomeranzen, zerlaufende Brustsalben, Mastixwasser, schwefliger Atem von Knoblauchmahlzeiten, faulige phosphoreszierende Fürze, Opoponax, unverhüllte Ausdünstungen heiratswilliger Frauen und solcher, die der Gatte hinterher heimführt, Männer, die nach Kernseife stinken...... Den ganzen Abend betrachtete ich sie, die ganze Nacht werd’ ich sie vor mir sehen: hochgeflochtene Haarzinne und olivenovales Antlitz und ruhige weiche Augen. Ein grünes Band auf ihrem Haar und um ihren Leib ein grünbesticktes Kleid: in solchem Farbton täuschen Einmachgläser Natur und saftige Gräser vor, das Haar der Gräber.

Loggione. The sodden walls ooze a steamy damp. A symphony of small fuses the mass of huddled human forms: sour reek of armpits, nozzled oranges, melting breast ointments, mastick water, the breath of suppers of sulphurous garlic, foul phosphorescent farts, opoponax, the frank sweat of marriageable and married womankind, the soapy stink of man ..... All night I have watched her, all night I shall see her: braided and pinnacled hair and olive oval face and calm soft eyes. A green fillet upon her hair and about her body a green-broidered gown: the hue of the illusion of the vegetable glass of nature and of lush grass, the hair of graves.

>>> erste version.

>>> Giacomo Joyce 35
>>> Giacomo Joyce 37

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